Ishin Yoshimoto mit Frau Kinuko in HöhleOstseite des Naikan Zentrum Bayerischer Waldein wichtiger Bestandteil des Naikan Tages

NAIKAN

kommt aus Japan und heißt übersetzt „nach innen schauen“ oder „innere Beobachtung“. Es ist eine Form der Selbstreflexion, die mit drei einfachen Fragen arbeitet. Ohne Beeinflussung von außen entwickelt sich dadurch in uns eine objektivere Sichtweise auf vergangene Geschehnisse, die nachhaltig auf unser Handeln wirkt.

Sie brauchen keine Vorkenntnisse oder speziellen Fähigkeiten, um Naikan üben zu können. Die Bereitschaft, sich offen auf sich selbst einzulassen und ein gewisses Durchhaltevermögen sind hilfreich.

Für wen ist Naikan geeignet?

Prinzipiell ist Naikan für jeden geeignet und empfehlenswert, der über eine klare Wahrnehmungsfähigkeit verfügt und Realität von Fiktion unterscheiden kann.

Die drei einfachen Fragen zeigen uns so, wie wir wirklich waren und sind, ohne Beschönigung und ohne Drama. Voraussetzung dafür ist der Wunsch, sich selbst besser kennenzulernen und die Bereitschaft, sich offen und ehrlich zu betrachten.

Wann sollte ich Naikan machen?

Ins Naikan kommen Sie am besten ohne ein Ziel, etwas erreichen zu wollen, also ohne Druck. Einfach nur ehrlich schauen, was war, wie Sie "wirklich" waren, wird Ihnen die tiefgreifendsten Einsichten bringen.

Da wir jedoch meist einen Grund brauchen, um etwas für uns zu tun, hier ein paar Anregungen:

Immer, wenn Sie sich weiter entwickeln, Dinge verstehen, Umstände hinterfragen, Muster entdecken, sich der "SEINs-Frage" stellen oder einfach Biografiearbeit machen möchten.

Auch bei Depression, Burnout, Schwierigkeiten im Beruf, mit Kindern, Partnern, anderen Menschen oder dem Älterwerden ist Naikan hilfreich. Für Menschen, die mit chronischen Krankheiten konfrontiert sind und/oder sich mit dem Tod auseinandersetzen, kann Naikan einen entscheidenden Beitrag leisten (Aussage einer Krebspatientin im Endstadium: "Ich bin dankbar, dass ich viele Naikan Wochen gemacht habe. Das macht das Leben und Sterben einfacher.").

Für spirituell orientierte Menschen ist Naikan ein wundervolles Werkzeug, das Ausmaß ihrer Achtsamkeit zu prüfen.

Naikan kann nicht den Besuch eines Arztes oder Psychotherapeuten ersetzen, aber eine Therapie wirkungsvoll unterstützen (Therapieturbo)!

Wie geht Naikan?

Im Naikan ziehen wir uns zurück in eine stille Umgebung ohne viel Ablenkung. Wir betrachten unser Leben
  • mit Bezugspersonen (Mutter, Vater, Geschwister, Verwandte, Freunde, Partner, Kollegen...) oder mit Themen (Arbeit, Geduld...),
  • in festen Abschnitten (z.B. eine Stunde lang) und
  • in Zeiträumen von 3 - 5 Jahren (Vorschulzeit, Grundschulzeit, 10tes - 14tes Lebensjahr...), von dem Moment an, da uns ein Mensch/Thema begegnete bis heute oder bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir dauerhaft keinerlei Kontakt mehr hatten
  • mit drei Fragen:
    1) Was hat die Person/das Thema in diesem Zeitraum für mich getan?
    2) Was habe ich für die Person/das Thema getan?
    3) Welche Schwierigkeiten (Unannehmlichkeiten, Herausforderungen...) habe ich bereitet?
Die Naikan-Begleitung kommt regelmäßig zum Gespräch und hört Ihnen respektvoll und wertfrei zu.

Naikan ist keine Gruppen-, Gesprächs- oder Psychotherapie. Es kann von jedem Menschen praktiziert werden, unabhängig von Glaubensrichtung oder Weltanschauung.

Wie lange dauert Naikan?

In der klassischen Form dauert Naikan eine Woche (7 Nächte), es gibt aber auch verschiedene andere Formen wie z.B. 10-Tage-Naikan (9 Nächte - siehe Termine), Naikan sanft für Einsteiger, Naikan in Bewegung und Wochenenden.

Firmen und/oder Abteilungen bieten wir für ihre Mitarbeiter eine spezielle Form an. Dabei wird die klassische Naikan-Woche in 2 - 4 Blöcke von je 2,5 - 4 Tage aufgeteilt und in der Zeit dazwischen mit den drei Fragen gearbeitet.
Die Wirkung ist ähnlich tiefgreifend und nachhaltig wie die einer zusammenhängenden Woche.

Was brauche ich für Naikan?

  • Den Wunsch, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.
  • Die Bereitschaft und Geduld, sich selbst offen und ehrlich zu betrachten.
  • Die Offenheit, in Erwägung zu ziehen, dass manches anders gewesen sein könnte, als Sie es bisher gesehen haben.
  • Die Bereitschaft, einzugestehen, dass die Sichtweise anderer auf Sie ebenfalls ihre Berechtigung hat und nicht unbedingt falsch ist, nur weil sie Ihnen nicht gefällt.
  • Den Mut, eine Veränderung zuzulassen, soweit es Ihnen möglich ist.

Was bringt mir Naikan?

Dass Meditation wertvoll für Körper, Geist und Seele ist, ist mittlerweile hinreichend bekannt und anerkannt. Die Wirkung von Naikan geht noch über die herkömmlicher Meditation hinaus und ist individuell verschieden:

Sehr oft werden nach einer Naikan Woche bereits abgebrochene Beziehungen zu Eltern, anderen Familienangehörigen, Freunden oder Kollegen wieder aufgenommen und Versöhnung findet statt.

In problematischen Paarbeziehungen beobachten wir einerseits Wiederbelebung und Neuanfang, aber auch respekt- und liebevollere Trennung.

Menschen mit Depressionen (Burnout) konnten den Hintergrund dafür erkennen und aktiv an einer Verbesserung ihres Zustandes arbeiten.

Psychotherapeuten, Psychologen und Psychiater erleben Naikan als "Therapieturbo" für ihre Patienten. Führungskräfte nutzen die Arbeit mit den drei Fragen als hilfreiches Werkzeug zur Mitarbeiterführung und im Umgang mit Vorgesetzten, Geschäftspartnern usw...

Die Frage "Wer bin ich?", also SEIN- und SINN-Fragen wurden beantwortet oder verloren an Wichtigkeit.

Der eigene Lebensweg wird wieder klarer und vollständiger (Biographiearbeit).

Möchten Sie mehr über die Wirkung von Naikan erfahren, lesen Sie die Berichte unserer Teilnehmer (.pdf).

Empfehlenswerte Links zu Filmen und Präsentationen über Naikan

Film vom ersten Naikan Zentrum in Deutschland:
http://www.naikan.de/index.php?seite=film

Film vom ersten Naikan Zentrum in Österreich:
http://www.naikan.com/

Film "Buddhismus und Psychotherapie" mit Franz Ritter:
https://www.youtube.com/

Film mit Johanna Schuh bei TedTalk (englisch):
https://www.youtube.com/

Animation über Naikan:
https://www.youtube.com/

Präsentation über Naikan:
https://www.youtube.com/

Geschichte von Naikan

Naikan wurde in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts von dem japanischen Geschäftsmann Ishin Yoshimoto entwickelt. In Japan hat es bereits seit vielen Jahren seinen festen Platz im persönlichen, sozialen und beruflichen Bereich: in Schulen, im Gesundheitssektor, in der Resozialisierung, in der Wirtschaft (Firmen, Management).
Auch in Europa und anderen Ländern der Welt verbreitet sich Naikan immer mehr.
Ausführliche Informationen zur Geschichte von Naikan, seinem Begründer Yoshimoto Ishin und dem buddhistischen Hintergrund finden Sie unter
http://www.insightvoice.at/download/downloads-naikan.html
http://www.ramakrishna.de/japan/naikan.php
sowie im Buch "Selbstbetrachtung hinter Gittern" von Wolfram Reiss.

Auszug aus dem Text von ramakrishna.de: "...Naikan, die Anfangsversion

Seine Buchhaltungstätigkeit als erfolgreicher Geschäftsmann brachte Yoshimoto auf eine Idee. Mishirabe bedeutet, sich dem Tod zu stellen. Um zur spirituellen Erfahrung zu gelangen, muss das Ego sterben. Sich dem Tod zu stellen bedeutet auch, Bilanz über das eigene Leben zu ziehen und abzuschließen. Vielleicht könnte man also statt durch Mishirabe-Asketismus diese Bilanz direkt angehen und sich so dem Tod stellen? Um sich nichts vorzumachen sollten die Übenden so gewissenhaft vorgehen wie ein Buchhalter, der einem festen Rahmen folgt mit Einnahmen, Ausgaben, Rechnungsperioden, und sich auf Tatsachen beschränkt statt auf Bewertungen.

Die Anfangsversion des Naikan ist voll jugendlichen Optimismus. Yoshimoto fragt nur, „Was habe ich erhalten?“ und „Was habe ich gegeben?“ – er berücksichtigt in dieser Bilanz nur das Gute!

Die Übung wurde nach einem Raster von Zeitperioden und Personen gegliedert: der Übende begann bei seiner ersten Bezugsperson (also meistens der Mutter) und die erste zu betrachtende Zeitperiode begann mit der Geburt des Übenden. Die Zeitperioden umfassten Dreijahresperioden für jüngere Personen und Fünfjahresperioden für ältere. Nach dem Bearbeiten einer Zeitperiode hatte der Übende die folgende Zeitperiode gegenüber derselben Bezugsperson zu betrachten, bis er bei der Gegenwart angelangt war. Danach folgte dasselbe mit der nächsten Bezugsperson, also generell dem Vater, dann mit weiteren wichtigen Bezugspersonen, wie Geschwister, und schließlich Partner. Nach Abschluss jeder Zeitperiode hatte der Übende dem Übungsleiter zu berichten, gegenüber wem und für welche Zeitperiode er sich geprüft habe. Einen besonderen äußeren Rahmen gab es nicht, die Übung war im Alltag nebenher zu erledigen.

1940 stellte Yoshimoto diese neue Methode erstmals öffentlich vor und nannte sie Nai-Kan, „innere Betrachtung“. Obwohl dieses Naikan einfacher erschien als Mishirabe, war doch der Anspruch derselbe. Yoshimoto sagte zu seinen Übenden:

„Mit voller Kraft und ohne Nachlässigkeit prüfe dich selbst. Es geht um Erleuchtung und Gewissheit. Naikan machen und bereit sein, sich dem Tod zu stellen, sind eins."..."
Informationen
zum Buch
"Naikan Die Kraft
der Versöhnung"

Neues Buch von Kaspari, Lendawitsch, Ritter
ein Naikan Zimmer
japanisches Menü
Naikan Die Kraft der Versöhnung von Sabine Kaspari
Teetisch in der Diele
Naikan Gespräch
Naikan Zimmer mit Kabinen